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Aare Forum

12. Aare Forum der Solodaris Stiftung am 27. April 2018

Arbeitnehmende sollten flexibel und lernbegierig sein

Im Rahmen des 12. Aare Forums, das am 27. April im Oltner Stadttheater vor knapp 200 Interessierten ausgetragen wurde, standen Referate, Interviews und ein Streitgespräch zum Thema «Veränderungen, Ansichten und Zukunftsgedanken zur Arbeitswelt» auf dem Programm. Die Arbeitswelt, dies ein Fazit dieser aufschlussreichen Tagung, ist längst im Wandel. Wer diesem Wandel, wer der Digitalisierung nicht nur mit Respekt, sondern auch mit einem gewissen Mass an Neugier und der Begierde zu lernen begegnet, ist klar im Vorteil.

«Digitalisierung verändert alles!» Gleich zu Beginn seines Auftritts am diesjährigen Aare Forum sorgte Arbeitspsychologe Felix Frei für Desillusionierung unter den knapp 200 Besucherinnen und Besuchern. Doch wie bitte soll man mit diesen Veränderungen umgehen? Agilität sei künftig das Mass aller Dinge und Resilienz unabdingbar, sagte Frei. Also einerseits die Fähigkeit, flexibel und proaktiv zu handeln, und andererseits die psychische Widerstandsfähigkeit. Anstelle der Hierarchie als leitendes Organisationsprinzip werden laut ihm Netzwerkorganisationen treten. Organisationen, in denen alle Verantwortung zu übernehmen hätten, mit den entsprechenden Risiken für die Chefs und enormen Herausforderungen, aber auch Chancen für die Arbeitnehmenden. Das könne spannend werden, sagte Frei. Seine Empfehlung ins Plenum war eindeutig: «Übernehmt Verantwortung!»

Vor ihm hatte Johann Weichbrodt das Aare Forum eröffnet und sehr ähnlich argumentiert. Der Organisationspsychologe erläuterte die aktuellsten Trends in der Arbeitswelt. In einer Welt also, in welcher die räumlichen und zeitlichen Grenzen der Arbeit flexibilisiert werden. Er sprach von flacheren Hierarchien und Selbstorganisation und in diesem Sinne auch von einer Flexibilisierung der Anstellungsverhältnisse. «Wenn wir die flexible neue Arbeitswelt als Schule betrachten, in der wir alle zugleich Lehrer und Schüler sind, so braucht es eine Balance zwischen Anforderungen und Fähigkeiten», sagte Weichbrodt.

Die Frage nach der Verantwortung
Sibylle Olbert, Leiterin des Kompetenzzentrums Leadership und Personalmanagement an der FHS St. Gallen, stellte die gesundheitlichen Risiken ins Zentrum ihres Referats. Just weil die Arbeitsteams von morgen sich anders zusammensetzen werden und die Technik zugleich Kooperationspartnerin als auch Konkurrenz ist, wird den Arbeitnehmenden umso mehr Handlungskompetenz in intelligenten, vernetzten Situationen abverlangt werden. Kein Wunder, so Olbert, dass der psychisch kranken Personen immer mehr werden. Bloss: «Wer übernimmt dafür in der neuen Arbeitswelt die Verantwortung?» Sowieso müssten wir aufpassen, dass wir «nicht verdoofen».
 
Noch vor der Mittagspause lieferten sich Stefan Nünlist, Leiter Unternehmenskommunikation der Swisscom und Präsident der FDP Kanton Solothurn, und Barbara Gysi, Gewerkschafterin und SP-Nationalrätin aus Wil (SG), einen verbalen Schlagabtausch. Hier der klassische Liberale, dort die Klassenkämpferin. Nünlist verwies auf den Wettbewerb und echauffierte sich auf Nachfrage von Moderatorin Sonja Hasler noch immer, dass der Ständerat im März die Anhebung der Grenzwerte für den 5G-Mobilfunk abgelehnt hat. «Diese ganze Technologieskepsis stört mich», sagte Nünlist, der sich fragt, wie lange man sich in diesem Land solch «verschrobene schweizerische Lösungen» noch leisten wolle. Barbara Gysi ist der Verweis auf den Wettbewerb indes viel zu kurz gegriffen. Es töne wunderbar, wenn man von einer immer flexibleren Arbeitswelt rede. Doch wenn parallel dazu versucht werde, auf politischem Weg die Arbeitszeiterfassung auszuhebeln, höre für sie der Spass auf. Sie ist überzeugt: «Die Menschen in diesem Land haben Angst, dass sie wegen der Digitalisierung ihren Job verlieren und in der Arbeitswelt nicht mehr mitkommen.» Worauf Nünlist entgegnete, Angst sei ein schlechter Ratgeber und die Mär mit dem «bösen Arbeitgeber» denn doch zu einfach. Es gelte, sich den Herausforderungen «stressfrei» zu stellen.

Das Neue mitnichten nach herkömmlichen Regeln leben
Barbara Josef gab ihren Job als Kommunikations-Chefin von Microsoft auf und war Mitbegründerin der Firma «5to9». Im Zentrum ihres Tuns stehen neue Arbeitsformen wie Home Office oder Coworking. Aktuell 120 Coworking Spaces gibts hierzulande, Tendenz steigend. Das mache sehr viel Sinn angesichts der latenten Verschwendung von Fläche in herkömmlichen Büros. Letztere würde auch in Zukunft wichtig bleiben – aber in gänzlich neuer Funktion. Eine Zellenstruktur sei nicht mehr vonnöten, die Zusammenarbeit aller sei neu zu verhandeln. Josef warnte: «Auch die neuen Arbeitsformen benötigen gewisse Leitplanken. Aber wenn wir das Neue nur nach alten Regeln leben, entsteht keine Veränderung, sondern nur Zynismus!» Sie plädierte für «echte Partizipation statt Innovationstheater», sprich: Dafür, die Mitarbeitenden miteinzubeziehen und ihnen Lernchancen zu verschaffen. Sie ist überzeugt: Das Gelingen hängt nur von der Denkweise aller Involvierten ab.

Fabian Plüss führt in seiner Kartei Christa Rigozzi, Bligg und Moderatorin Steffi Buchli. Und darüber hinaus rund 1500 weitere Influencer – also «Menschen, die Menschen inspirieren», wie er den Begriff am Aare Forum definierte. Mit seiner Firma «Kingfluencers» gründete Plüss 2014 die erste Influencer-Agentur überhaupt in der Schweiz. Natürlich haben die Allermeisten nicht die Reichweite des eingangs erwähnten Trios: Gemeinsam erreichen diese eine Viertelmillion Menschen. Der wichtigste Social Media-Kanal hierzulande ist Instagram, gefolgt von Facebook. Und trotzdem kann laut Plüss gerade mal ein Prozent der Schweizer Influencer von dieser Tätigkeit leben, vielleicht 20 Personen. Ists also ein Beruf? «Für mich nicht», sagte er in Olten. Es sei vielmehr «die Passion für ein bestimmtes Thema».

Dani Albrechts Traum vom Mondhaus-Bau
Gezwungenermassen beruflich neu orientieren musste sich das ehemalige Ski-Ass Daniel Albrecht. Gemeinsam mit Sonja Hasler ging er die wichtigsten Stationen seiner Karriere durch; gezeigt wurden bewegte Bilder von seinem WM-Titel in der Kombination im Jahr 2007 –  und auch vom fatalen Sturz im Abfahrtstraining zur Streif in Kitzbühel im Januar 2009, der den sympathischen Walliser fast das Leben gekostet hätte. Der Rest ist bekannt: Albrecht kämpfte sich erst ins Leben und zwei Jahre später sogar in den Weltcup zurück, wenn auch nie mehr nach ganz oben. «Ich überlege mir manchmal, was ich machen müsste, um die gewaltig starken Gefühle von damals wieder zu verspüren», bekannte er am Aare Forum enorm ehrlich.
Seine Kleidermarke hat er mittlerweile verkauft. Heute agiert Albrecht als Mentaltrainer und Referent. Und hat einen Traum: Er möchte Mondhäuser konstruieren und diese «naturnah und nachhaltig» bauen. Niemand im Saal, der ihm den Durchbruch in dieser Sparte nicht gönnen würde. Sein Motto spricht eh für sich: Never give up!

Sonja Hasler prägte die informative Tagung mit ihrer souveränen Moderation, in welcher sie von charmant bis hartnäckig die ganze Klaviatur zu spielen vermochte. Eine Klasse für sich war Stefan Heuss: Der «Erfinder» vermochte das Plenum im Verlaufe des Tages mehrfach zu überraschen und zu entzücken. Etwa, wenn er mit getuntem Kinderwagen die Bühne betrat und sein «Killerfeature» präsentierte: Den Audiozapper, welcher das Vehikel mitsamt Inhalt und wie von Geisterhand in gewünschtem Rhythmus schaukeln liess ...  
                                                          
Der Erlös des Aare Forums 2018 kommt dem Sonntagstreff von Solodaris in Solothurn und Olten zugute.   

 

Nachfolgend eine Auswahl der Fotos vom Aare Forum 2018

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